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Klassische Musik und Oper von Classissima

Sergei Prokofjew

Sonntag 28. Mai 2017


Crescendo

12. April

Münchner Opernfestspiele 2017: Die große Opern-Orgie an der Isar - Münchner Opernfestspiele 2017

Crescendo

30. März

Tobias Feldmann: Leistungskampf als Inspiration - Tobias Feldmann

Geigen-Überflieger Tobias Feldmann setzte sich schon als Kind bewusst dem Druck von Wettbewerben aus. Das internationale Niveau befeuert ihn. „Bei Jugend musiziert bin ich zum ersten Mal mit etwa acht Jahren aufgetreten. Der Ansporn, vor Publikum auftreten zu können, war für mich groß.“ Tobias Feldmann, 1991 geborener Geiger, behauptet sich bis heute gerne im Vergleichsdruck. Preise erspielte er sich etwa beim Louis Spohr Wettbewerb in Kassel, beim Kocian-Violinwettbewerb in Tschechien oder beim Internationalen Joseph Joachim Wettbewerb in Hannover. Seine bisher intensivste Erfahrung war der renommierte Concours Musical Reine Elisabeth in Brüssel, bei dem er 2015 den vierten Preis holte. „Nicht zuletzt wegen seiner langen Dauer und der großen Jury stand ich vor einer riesigen Herausforderung. Insgesamt war ich sechs Wochen in Brüssel und kam bis in die letzte Runde. Solch eine extreme Drucksituation werde ich wahrscheinlich nie wieder erleben. Zum Schluss ist die Atmosphäre fast so wie vor einer Papstwahl. Alle müssen ihre Mobiltelefone und Laptops abgeben, damit nichts nach außen dringt.“ Für junge Musiker sei es wichtig, konkrete Ziele im Auge zu haben. „Bei Wettbewerben habe ich feststellen können, wie hoch das internationale Niveau in meiner Altersgruppe war. Das hat meinen Horizont erweitert.“ Wie alle professionellen Musiker ist auch Tobias Feldmann ständig damit konfrontiert, sich bei Konzerten in Bestform präsentieren zu müssen. Dass er dies schon in jungen Jahren trainieren konnte, sieht er als klaren Vorteil. „Allerdings merkt man auch, wie subjektiv Juroren Vorspiele bewerten. Anders als etwa im Sport sind Erfolge von Musikern nicht eindeutig messbar.“ So hält Feldmann Wettbewerbe zugleich für einen Segen und einen Fluch. Ein Preis ist weder eine Garantie noch eine unbedingte Voraussetzung für spätere Erfolge. „Ein Kandidat, der in der zweiten Runde ausscheidet, ist nicht zwangsläufig schlechter als derjenige, der den ersten Preis gewinnt. Oft urteilt das Publikum anders als die Expertenjury, deren Meinungen ja auch auseinandergehen. Manchmal kommt genau deshalb ein Musiker weiter, der sich auf einem Mittelweg befindet und eigentlich weder Fisch noch Fleisch ist.“ Feldmann selbst begann, mit sieben Violine zu lernen – nicht ungewöhnlich! Doch bereits zwei Jahre später wurde er in eine Frühförderklasse an der Musikhochschule Würzburg aufgenommen. „Bei uns zu Hause wurde immer musiziert. Mein Vater ist Gymnasiallehrer, er spielt Orgel und Klavier. Meine Mutter unterrichtet musikalische Früherziehung und Gesang. Als mein älterer Bruder mit dem Geigenspiel begann, wollte ich es unbedingt auch versuchen.“ Bald zeigte sich, dass beide Jungen enormes Talent hatten. In Fulda, wo die Familie lebte, gab es allerdings nur eine städtische Musikschule ohne spezielle Fördermöglichkeiten für Hochbegabte. „Würzburg war damals neben München die einzige Hochschule, die eine Frühförderung anbot. Wäre ich bis zum Abitur in Fulda geblieben, hätte ich sicherlich nicht so weit kommen können.“ Auch sein Bruder Andreas studierte in Würzburg, inzwischen spielt er im Konzerthausorchester Berlin. Von den Eltern bekamen beide viel Unterstützung. „Ein- bis zweimal pro Woche haben sie uns hin- und zurückgefahren. Sonst hätten wir diese Chance nicht nutzen können.“ Heute lebt Tobias Feldmann in Berlin, nahe dem Volkspark Friedrichshain. Längst hat er durch solistische Konzertauftritte im In- und Ausland Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber seine besondere Liebe gilt der Kammermusik. „Man muss sensibel sein, sich auf die anderen Stimmen einlassen und sehr gut zuhören. Davon profitiert man auch als Solist bei Orchesterkonzerten.“ Seit Feldmann 2012 den Pianisten Boris Kusnezow kennenlernte, sind die beiden häufig gemeinsam aufgetreten. Vor drei Jahren spielten sie ein Debütalbum mit Werken von Ysaÿe, Beethoven, Bartók und Waxman ein. Anfang Februar dieses Jahres ist beim Label Alpha das zweite Album des Duos erschienen. Was erwartet den Hörer? „Wir haben Violinsonaten von Ravel, Prokofjew und Strauss aufgenommen. Der Albumtitel ‚Polychrome‘ deutet an, dass wir ein Spektrum aus vielen musikalischen Farben zeigen wollen. Die drei Komponisten – ein Franzose, ein Russe und ein Deutscher – drücken die Farbigkeit ihrer Werke auf unterschiedliche Weise aus.“ Vor allem die einsätzige Ravel-Sonate, die erst posthum veröffentlicht wurde, wirkt auf Feldmann wie „Klangmalerei“. Beim Hören könne er sich spontan ein impressionistisches Gemälde von Claude Monet in Blau- und Grüntönen vorstellen, sagt er. Feuerrot kommt für ihn dagegen die einzige Violinsonate von Strauss daher, ein Jugendwerk, das von stürmischer Leidenschaft durchzogen ist. Einen wesentlich kühleren Eindruck vermittelt Prokofjews zweite Violinsonate, in der kraftvolle und lyrische Passagen wie auf einem Schwarz-Weiß-Bild miteinander kontrastieren. Feldmann hofft, dass die Sonaten auch in der Fantasie der Zuhörer farbige Bilder entstehen lassen. Corina Kolbe Prokofiev, Strauss, Ravel: „Polychrome“, Tobias Feldmann, Boris Kusnezov (Alpha) ,




Crescendo

4. März

Flötenkönigin, Leichenreiter und zeitlose Referenz - Flöte

Von der Zähmung der Eleganten aus der Holzblasfamilie: Mozart, der der Flöte ihre wichtigsten Konzerte schenkte, sprach von einem „Instrument, das ich nicht leiden kann“. In der Tat gibt es kein Instrument, das von so vielen gespielt wird und dabei so wenige große Musiker hervorgebracht hat. Nun fiel mir zufällig ein Album in die Hände, das all diese Erfahrungen schlagartig obsolet macht: Für Evidence haben die brasilianische Flötistin Raquele Magalhães und die serbische Pianistin Sanja Bizjak das Duo-Album „Patchwork“ aufgenommen, dessen Qualität alles überstrahlt, was ich seit Jahrzehnten an Flötenmusik gehört habe. Das vortrefflich zum Durchhören geeignete Programm vereinigt George Enescus Cantabile et Presto und die Sonaten von Erwin Schulhoff, Sergei Prokofjew und des polnisch-stämmigen US-Amerikaners Robert Muczynski (1929–2010). Raquele Magalhães besticht mit einer so kraftvollen wie geschmeidigen und unerschöpflich vielseitig nuancierten Tongebung, mit lebendig erfülltem Forte und ätherisch feinstem Pianissimo, mit kristallklarer Artikulation und biegsam gegenwärtigem Ausdruck in jedem Augenblick. Blitzsauber und rhythmisch makellos ist ihr Spiel ohnehin. Mit Sanja Bizjak hat sie eine Partnerin von pianistisch höchstem – und äußerst verfeinertem Karat, die sie nie überdeckt, die nie das Klavier schlägt und deren Bewusstsein für die melodische und harmonische Gestaltung, für die kontrapunktische Struktur in kultiviertester Weise geschärft ist. Die beiden zusammen bilden eine fantastisch eingespielte Einheit, welche mit Klarheit und Tiefgang ebenso wie mit Spontaneität und sanglicher Emphase fesselt. Jeder einzelne Satz ist in seinem spezifischen Charakter verwirklicht, und neben der sinfonischen Dimension der großen Prokofjew-Sonate ist es vor allem die so kapriziöse wie zusammenhängend dichte Musik von Muczynski mit ihren herrlich empfundenen Dissonanzen, die besonders fasziniert. Juha Kangas, der große Streichorchestermentor, legt mit dem von ihm 1972 gegründeten Ostrobothnian Chamber Orchestra eine weitere CD mit Musik seines 2008 verstorbenen Freundes Pehr Henrik Nordgren, des eigentümlichsten finnischen Komponisten seit Sibelius, vor. Diesmal sind es zwei späte Klavierkonzerte – das zweite Konzert mit Streichern und Schlagzeug von 2001 und das Konzert für die linke Hand von 2004 –, die von Henri Sigfridsson vortrefflich gespielt werden, und der Edith Södergran-Gesangszyklus op. 123, den Monica Groop innig darbietet. Das Orchester versteht diese Musik in einer authentischen Weise, die fernab aller Routinen der Welt liegt. Nordgrens Tonsprache vereinigt abgründige Tragik und Verzweiflungüber das Leiden in der Welt mit verwegen hintergründigem Humor zu einer magischen Klangwelt, die Cluster als lebensdurchpulste Wesenheiten erstehen lässt, verrätselte Absurditäten organisch integriert und in der so kargen wie leidenschaftlichen Melodik an Mussorgski anzuknüpfen scheint. Im Linke-Hand-Konzert, basierend auf einer japanischen Geistergeschichte von Lafcadio Hearn, entführt uns der „Leichenreiter“ in die unendlichen Weiten des Unterbewusstseins. Am 6. November 2012 starb der große ungarische Pianist und Dirigent Zoltán Kocsis, der die letzten 20 Jahre die Geschicke der Ungarischen Nationalphilharmonie in Budapest lenkte. Bei Celestial Harmonies ist das letzte Vermächtnis dieser legendären Zusammenarbeit erschienen, aufgenommen im Sommer vergangenen Jahres. Neben Franz Liszts fahl schillernden Trois Odes funèbres (ohne Gesang) erklingt das 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms, gespielt von Sándor Falvai. Alle Beteiligten agieren auf singulärem Niveau, die kontrapunktische Faktur des Kopfsatzes habe ich nie so klar und sinnfällig gehört, das Spektrum vom machtvollen Pesante bis zur Zartheit der lyrischen Themen ist in höchster Könnerschaft und erlesener Kultur, mit Liebe zu jedem Detail verwirklicht und vermittelt unwiderstehlich den großen Zusammenhang. Eine zeitlose Referenz. Christoph Schlüren Raquele Magalhães & Sanja Bizjak: „Patchwork“ (Evidence) Pehr Henrik Nordgren: „Storm – Fear“ (Alba) Kocsis & Falvai: „Brahms & Liszt“ (Celestial Harmonies)



ouverture

31. Oktober

The Proud Bassoon (Linn)

„What does the bassoon have to be proud of? After all, isn't it the clown of the orchestra? It is too easy for caricatures like the goofy lumbering theme in Dukas' Sorcerer's Apprentice and the grandfather in Prokofiev's Peter and the Wolf to override the more serious aspects of the bassoon's musical persona“, so kommentiert das Beiheft diese Aufnahme. „These images colour our perception of the eighteenth-century bassoon, which had every right to claim the epithet ,proud'.“  Auf dieser CD beweist Fagottist Peter Whelan, tatkräftig und klangschön unterstützt vom Ensemble Marsyas, dass sein Instrument durchaus auch für sehr anspruchsvolle Solo-Partien geschaffen worden ist. Dazu hat er ein Programm zusammengestellt, das von Les Gentils Airs – ou Airs Connus, ajustée en duo, pour basson seul accompagné d'un clavecin, zusammengestellt in Paris von den Gebrüdern Leclerc, bis hin zu Eileen Aroon with variations set by Mr. (Matthew) Dubourg (1707 bis 1767), einem Geiger aus Dublin, reicht. Zu hören sind zudem ein Konzert von François Couperin (1668 bis 1733) und Sonaten für das Fagott von Joseph Bodin de Boismortier (1685 bis 1755), Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767).  Es sind sehr unterschiedliche Werke, entstanden für die Hofmusik, die Oper oder den häuslichen Gebrauch – doch sie geben Peter Whelan Gelegenheit, zu demonstrieren, wie virtuos man auf dem Barockfagott musizieren kann – das als eher schwierig gilt. Whelan spielt phänomenal, durch alle Register, und dabei zeigt er auch, welche tollen Klangfarben es zu bieten hat – das stolze Fagott. 

Klassische Musik und Oper von Classissima



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