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Klassische Musik und Oper von Classissima

Sergei Prokofjew

Montag 29. August 2016


Crescendo

27. Mai

„Die Übermutter“ - Zum 75. Geburtstag von Martha Argerich

CrescendoWenn sie das Podium betritt, knistert es. Immer noch. „La Martha“ ist da, die „Löwin am Klavier“! In Japan wird sie wie eine Göttin verehrt: Martha Argerich. Veranstalter aber fürchten sie. Den Spitznamen „Fräulein Nein!“ bekam sie von Anfang an, weil sie mehr Konzerte absagte, als dass sie welche gab. Sie habe „alles dafür getan, ihre Karriere zu ruinieren“, meint einer ihrer Agenten. Interviews mit ihr gleichen einem absurden Theaterstück. Sie hält sich nicht an Termine. Die Stunden vergehen. Und als man die Hoffnung bereits aufgegeben hat, erscheint sie plötzlich im Hotelfoyer, dunkel gekleidet, mit bleichen Zügen, vorzugweise nach Mitternacht. Wer jetzt nicht die Chance ergreift und sie anspricht, idealerweise auf Spanisch, der Sprache ihrer Kindheit in Argentinien, der hat verloren. Mir ist es sogar gelungen. Sie entschuldigt sich. Erwähnt ihre Angst vor Journalisten und deren bohrenden Fragen nach Details ihrer Interpretationen, ihres Repertoires oder nach Kollegen. Vielleicht glaubt sie, sich grundsätzlich bei der Presse intellektuell ins Zeug legen zu müssen? Man gibt zu: So schlau sei das nicht immer, was andere Kollegen sagen. Sie lacht. Das Eis scheint vorerst gebrochen. „Ahr-ge-reech“ buchstabiert sie ihren Namen, der auf kroatisch-katalanisch-jüdische Wurzeln weist, und erzählt, dass es sogar ein Dorf gibt, das Argeric heißt. Sie redet von ihrer Kindheit in Buenos Aires. Vom Vater, der sie für „ein Genie“ hielt und sich dennoch kaum um sie kümmerte. Und von Mutter Juanita, die es als ihre Lebensaufgabe betrachtete, sie zu fördern, deren „Martha, üben!“ sie immer noch im Ohr hat. Sie lächelt, wenn sie an Friedrich Gulda denkt, ihren ersten Lehrer in Wien, der sich nicht traute, Geld für den Unterricht zu verlangen, da er sie für das „größte Talent“ hielt. 1965 gewinnt sie den Chopin-Wettbewerb in Warschau. Es ist der Beginn einer spektakulären Karriere, mit vielen Aufs und Abs. In ihrer „autorisierten Biografie“ erfährt man von wilden Jahren in Genf, ihrer Musiker-WG mit „achtzehn Katzen“ und vielen, die dort ein- und ausgingen. Von New York und Los Angeles sowie von Brüssel, wo sie heute lebt. Eine schwere Krebserkrankung gehört in dieses rastlose Leben; zwei Ehen, drei Töchter und diverse Liaisons mit Kollegen, die mit ihrem hektischen Nachtleben nicht Schritt halten konnten und es irgendwann vorzogen, sie nur auf dem Podium zu verehren. Ihren Ruf als Femme fatale in der Presse, die ihr „einen Hauch von Juliette Greco“ attestierte, habe sie nie verstanden. „Ich war sehr kurzsichtig und musste die Augen zusammenkneifen, um die Leute zu erkennen. Das mag mir diesen merkwürdigen Blick verliehen haben.“ Noch mehr gibt der Film von Stéphanie Argerich, Marthas Tochter aus der Liebe zum Pianisten Stephen Kovacevich, über die Künstlerin preis. Sein Titel „Bloody Daughter“ ist Programm, ein Familiengeheimnis wird aufgedeckt, ohne dass sich Töchter und Mutter wirklich nahekommen. Dabei strahlt Martha Argerich mit ihrer weiblichen Figur etwas Mütterlich-Erdgebundenes aus. Sie liebt es, als „pianistische Übermutter“ eine „Musikfamilie“ um sich zu scharen, auch weil sie sich allein auf der Bühne „wie ein Insekt unter der Lampe“ fühle. Drei Festivals hat sie gegründet, in Lugano, Beppu (Japan) und Buenos Aires. Ihre Großzügigkeit kennt keine Grenzen, wie auch die Pianistin Sophie Pacini erleben durfte. „Ich war erst vierzehn. Ich wusste, ich spiele um mein Leben“, erinnert sie sich, als sie in einem Hotel in der Toskana Argerich erstmals vorspielen durfte. „Nach dem Vortrag kam sie schnellen Schrittes auf mich zu, umarmte mich, gab mir einen Kuss und sagte: ,Bravissima!‘“ Seitdem tritt Sophie Pacini nicht nur auf sämtlichen Bühnen auf, sondern ist mit ihr auch befreundet. Immer wenn Argerich zu Gast bei der Familie Pacini in München ist, erzählt sie, seien ihre Eltern „völlig nervös. Papa räumt tagelang herum und Mama versucht, ihre Spaghetti so gut wie möglich zu machen.“ 75 Jahre wird Martha Argerich nun alt. Ihre unglaubliche Vitalität, ihre „fliegenden Hände“ hat sie sich bewahrt, aber auch den Eigensinn. Mit virtuosem Furor fegt sie durch die Werke von Chopin, Liszt oder Prokofjew, nimmt sich jede Freiheit und schafft dabei Musik, die keinen Besitzer mehr zu kennen scheint. Argerich hört man, einen lebendigen Mythos. Mit Martha zu musizieren, sagt Mischa Maisky, der sie seit vierzig Jahren kennt, sei „jedes Mal so, als wäre es das erste Mal. Sie ist so voller Leben. Immer frisch und neu. Unerwartet, mit einem Wort: aufregend!“ Teresa Pieschacón Raphael Martha Argerich: The Legendary 1965 Recording (Werke von Chopin) Warner Classics (Warner) Martha Argerich: Early Recordings Deutsche Grammophon (Universal Music) Martha Argerich: The Complete Chopin Recordings on Dg Deutsche Grammophon (Universal Music) Martha & Friends Argerich: Argerich & Friends Live from Lugano 2015 Warner Classics (Warner)

nmz - neue musikzeitung

14. Juni

CD-Tipps 2016/06

Von Andreas Kolb Mangelsdorff & Mangelsdorff: Early Discoveries. SWR/JazzHaus JASH-459 +++ Mozart, Beethoven, Ravel, Prokofieff: Martha Argerich Early Recordings, Deutsche Grammophon 4795978 +++ Anat Fort Trio/Gianluigi Trovesi: Birdwatching, ECM 2382 Weiterlesen






Crescendo

9. März

Der unheimliche Pianist - Lucas Debargue: Der unheimliche Pianist

Während andere jahrelang an ihrer Technik feilten, studierte Lucas Debargue lieber Literatur und saß an Supermarktkassen. Nur – er hat die anderen längst abgehängt.Als spätberufener Senkrechtstarter überraschte Lucas Debargue im vergangenen Sommer Jury und Publikum beim renommierten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Mit seinem virtuosen, energiegeladenen Klavierspiel kam der unkonventionelle Franzose aus dem Stand auf den vierten Platz und erhielt den Preis der Musikkritiker. In den Feuilletons wird seither fleißig an einem neuen Mythos gestrickt. Denn Debargue begann erst mit elf Jahren zu spielen, rührte dann als Teenager jahrelang kein Instrument mehr an, studierte Literatur und verdiente sein Geld zeitweise als Kassierer im Supermarkt. Kein Wunderkind, dafür ein Autodidakt, dessen Genialität fast etwas Unheimliches anhaftet? Etliches von dem, was über ihn geschrieben wurde, verweist Debargue ins Reich der Fabel. „Ich habe keineswegs allein und nur nach Gehör zu musizieren angefangen“, erklärt der Pianist, inzwischen 25 Jahre alt, während er eindringlich durch seine Brille mit schwarzem Rand blickt. Seine erste Lehrerin in der nordfranzösischen Stadt Compiègne, Madame Meunier, half ihm dabei, seinen Weg als Künstler zu finden. Doch erst vier Jahre vor dem Tschaikowsky-Wettbewerb begann er, sich ernsthaft auf eine professionelle Karriere vorzubereiten. Seitdem wird er von der erfahrenen, russischen Klavierpädagogin Rena Shereshevskaya betreut. Im Grunde lasse sich Musik aber nicht lehren, davon ist Lucas Debargue überzeugt. Klavierspielen könne man sich nur selbst aneignen, allerdings nicht ohne ständigen geistigen Austausch mit anderen. Shereshevskaya machte ihn fit für Moskau, wo er unter anderem mit Ravels vertrackter Tondichtung Gaspard de la nuit, Beethovens Siebter Klaviersonate und Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 Beifall einheimste. Zu seinem Repertoire gehörte auch eine Sonate des selbst in seiner Heimat Russland selten gespielten Komponisten Nikolai Medtner. Schirmherr Valery Gergiev war derart überzeugt, dass er den Viertplatzierten entgegen aller Regeln beim Galakonzert der Preisträger auftreten ließ. Führt er seit dem Wettbewerb ein anderes Leben? Debargue, der jetzt viele Konzerte gibt und in Berlin bereits sein zweites Soloalbum aufgenommen hat, muss nicht lange nachdenken. „Rein äußerlich hat sich alles verändert, in meinem Inneren dagegen nicht. Die Suche nach Klarheit und das Bedürfnis weiterzukommen, all dies ist geblieben. Die vielen Menschen um mich herum zu ertragen, ist weitaus schwieriger, als sich auf die Musik zu konzentrieren. Aus der Musik schöpfe ich immer wieder neue Kraft.“ Mit entschlossener Stimme formuliert Debargue Erkenntnisse, die kaum je einen Moment des Zweifelns zulassen. Er strebe nach „clarté“, einer Klarheit des Ausdrucks, die ihm dabei helfe, sich in dieser Welt zu verorten, bekennt er. „Ich spüre das Bedürfnis, meine Erfahrung mit den Dingen in einem Minimum eindeutiger Worte zu konzentrieren. Das hilft mir bei der Suche nach einer klaren Form, in der ich als Interpret die Inhalte der Musik vermitteln kann.“ Manch einer hat sich gefragt, wie er so blitzartig in den Klavier-Olymp aufsteigen konnte. „Anfangs war ich erschrocken, als man mich fragte, wie ich das geschafft hatte“, gibt er zu. „Doch was spricht dagegen, dass es im Leben nicht auch mal rasch vorangehen kann? Letztlich kommt es doch auf die Legitimität des eigenen Tuns an.“ Auf seiner ersten, im April erscheinenden CD, die bei einem Recital im Pariser Salle Cortot aufgenommen wurde, präsentiert Debargue ein breit gefächertes Repertoire, von Sonaten des Barockkomponisten Domenico Scarlatti über Werke von Schubert, Chopin, Liszt, Grieg und Ravel bis hin zu eigenen Improvisationen. Für die Zukunft hat er sich unter anderem die Zweite Klaviersonate des Polen Szymanowski vorgenommen – „ein geniales Stück, aber auch ein Monstrum für einen Pianisten“. Jahre bevor er Klavierspielen lernte, entdeckte Debargue mit Mozart die klassische Musik. „Der Film „Amadeus“ hat mich absolut fasziniert. Später begann ich mich für Bach und dann vor allem für Rachmaninow, Prokofjew und Skrjabin zu interessieren.“ Unter den Franzosen sind die Romantiker Emmanuel ­Chabrier und Georges Bizet seine größten Favoriten. „Zwei Genies, die viel zu früh verstorben sind. Meiner Ansicht nach sind sie wichtiger als Ravel und Debussy.“ Der größte Komponist pianistischer Werke bleibt für ihn allerdings Chopin. „Er hat ein Universum für das Klavier geschaffen. Leider sind viele aktuelle Interpretationen viel zu beliebig. Jeder meint heute zu wissen, wie man ein Rubato spielen sollte. In Wirklichkeit kommt wenig dabei heraus. Lieber höre ich mir ältere Aufnahmen an, etwa Chopins Dritte Ballade, gespielt von Rachmaninow. Unglaublich!“ Als Klavier-Fetischist sieht sich Debargue aber nicht. „Eigentlich liegt mir gar nicht so viel an diesem Instrument. Es dient mir hauptsächlich dazu, Musik zu machen. Auch in Zeiten, in denen ich nicht spiele, ist mir die Musik immer nahe.“ Vor Auftritten habe er stets Lampenfieber, gibt er zu. „Die ersten fünf Minuten eines Konzerts sind besonders heikel. Man muss einen kühlen Kopf bewahren und sollte keine Experimente wagen. Wenn diese fünf Minuten überstanden sind, kann eigentlich nichts mehr passieren.“ Corina Kolbe Lucas Debargue: Scarlatti,Chopin,Liszt,Ravel Sony Classical (Sony Music)

ouverture

25. Januar

Music for Brass Septet 3 - Septura (Naxos)

Musik aus Russland und aus der Sowjetunion präsentieren die Bläser von Septura auf ihrer jüngsten CD. Arrangiert haben die Stücke Simon Cox und Matthew Knight, die Gründer und künstlerischen Leiter des Ensembles. Das ist durchaus ein Wagnis, denn die CD beginnt mit dem Quartett Nr. 8 op. 110 von Dmitri Schostakowitsch. Es gilt als das persönlichste Werk des Kompo- nisten, der seine Signatur D-Es-C-H im Notentext an prominenter Stelle hinterlassen hat. Entstanden ist es 1960 in Gohrisch, einem Kurort im Elbsandsteingebirge; eigentlich sollte Schostakowitsch dort an einer Filmmusik über die Bombardierung Dresdens arbeiten.  Der Komponist war, als er dieses Werk schrieb, in hörbar mieser Stimmung. Man hatte ihn genötigt, in die KPdSU einzutreten, weil man ihn zum Vorsitzenden des sowjetischen Komponistenverbandes machen wollte. Außerdem quälte ihn ein Rückenleiden. Und auch wenn das Quartett dann mit der Widmung „Im Gedenken an die Opfer von Faschismus und Krieg“ veröffentlicht wurde, verrät die Musik, mit einer Vielzahl von Zitaten, was Schostakowitsch wirklich im Sinn hatte. In einem Brief berichtete er Isaak Glikman, einem engen Vertrauten, er habe „ein niemandem nützendes und ideologisch verwerfliches Quartett geschrieben. Ich dachte darüber nach, dass, sollte ich irgendwann einmal sterben, kaum jemand ein Werk schreiben wird, das meinem Andenken gewidmet ist. Deshalb habe ich beschlossen, selbst eines zu schreiben. Man könnte auf seinen Einband auch schreiben: ‚Gewidmet dem Andenken des Komponisten dieses Quartetts’.“  Man staunt, wie gut sich aus diesem Streichquartett ein Werk für Bläser formen lässt, und wie dezent Septura hier agiert. Und es ist nicht einfach, neben einem solchen Schwergewicht noch weitere Musik passend zu einem Programm zusammenzustellen. Die sieben Bläser lösen dieses Problem mit einem Blick in die Musikgeschichte: Neben Schostakowitsch tritt Sergej Prokofjew mit einer Suite aus den Zehn Stücken für Klavier op. 12 und dem bekannten Marsch aus Die Liebe zu den drei Orangen op. 33.  Aus dem vorrevolutionären Russland, aber dennoch ziemlich modern, sind die sechs ausgewählten Preludes von Alexander Scriabin. Sie werden ergänzt durch vier der sechs Stücke für Klavier zu vier Händen op. 11 von Sergej Rachmaninoff – und natürlich darf auch seine Vocalise op. 34 Nr. 14 nicht fehlen.  Septura erweist sich einmal mehr als eines der besten europäischen Blechbläserensembles. Alan Thomas und Simon Cox, Trompete in B, Huw Morgan, Trompete in Es, Matthew Gee und Matthew Knight, Posaune, Dan West, Bass-Posaune und Peter Smith, Tuba, musizieren exzellent und bestens aufeinander eingestellt. Insofern kann man diese dritte CD der Briten erneut empfehlen – und darf auf die Fortsetzung gespannt sein, die sicherlich bald folgen wird. 

Klassische Musik und Oper von Classissima



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